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Satire:
Markos Jahresausblick 2007

JANUAR
Anlässlich
des beginnenden UN-Jahres des Delfins schlägt der neue UN-Generalsekretär
Moon vor, den Konflikt zwischen Israel und Palästina auszuflippern.
Israels Ministerpräsident Olmert regt daraufhin an, die Lösung
des Konflikts auf das nächste Jahr zu vertagen und das dann zum
Jahr des Wellensittichs zu erklären.
FEBRUAR
Beim
Schneeschippen erleidet Bundeskanzlerin Merkel einen Schwächeanfall,
fällt auf den Kopf und verschwindet spurlos. Wenige Tage später
wird ein offensichtlich geistig verwirrter Mensch in einem Hosenanzug
in Ostpolen den Behörden ausgeliefert, nachdem er in einem Wald
mehrere Wölfe gerissen hat. Die Bildunterschrift in den örtlichen
Zeitungen lautet: "Wer kennt diesen Mann?".
MÄRZ
Bayerns
Ministerpräsident Stoiber erklärt im "Bayernkurier",
sollte der FC Bayern München dieses Jahr nicht deutscher Fußballmeister
werden, würde Bayern aus der Bundesliga austreten. Münchens
Kardinal Friedrich Wetter sagt anschließend im Bayerischen Rundfunk,
Stoiber habe zwar "Bundesliga" gesagt, aber "Bundeslade"
sagen wollen. Bayerns Wirtschaftsminister Huber erklärt daraufhin
in der "Bäckerblume", Stoiber wollte zwar "Bundeslade"
sagen, dachte aber "Oblate". Bayerns Kultusminister Schneider
sagte danach der "Süddeutschen Zeitung", der Ministerpräsident
habe zwar an eine "Oblate" gedacht, gemeint habe er jedoch
"Obladi Oblada". Damit setzt Schneider unwissentlich eine
codierte Nato-Befehlskette aus dem Jahr 1963 zur sofortigen Besetzung
der DDR in Kraft. Bundesverteidigungsminister Jung wird Jahre später
in seinen unter dem Titel "Mein Leben als Fregatte" erscheinenden
Memoiren in dem Kapitel "Wie ich zackzack die Ossis platt machte"
schreiben, er habe nur Befehle ausgeführt.
APRIL
Bundeskanzlerin
Merkel kehrt nach einem Sanatoriumsaufenthalt in Ostpolen und einer
Pilgerreise nach Tschenstochau geläutert nach Deutschland zurück.
Sofort gibt sie ihren Rücktritt von allen Regierungsämtern
bekannt, ruft sich selbst zur Gegenpäpstin und zum Weihnachtsmann
ehrenhalber aus, lässt eine Kathedrale in Ribnitz-Damgarten errichten
und ernennt Alice Schwarzer, Thomas Anders und Guido Westerwelle zu
Hohepriesterinnen.
MAI
Die
erneut novellierte Gesundheitsreform tritt in Kraft. Sie regelt im Wesentlichen:
Jeder Patient hat ein Anrecht auf Behandlung, außer wenn er krank
ist; Alle Krankenkassen werden zur "Pharma-Ersatzkasse" zusammengefasst;
Heuschnupfen wird in Zukunft strafrechtlich verfolgt. Gesundheitsministerin
Schmidt: Man müsse das Heu nur warm lagern, dann könne es
überhaupt keinen Schnupfen bekommen. CSU-Generalsekretär Söder
erklärt daraufhin, er verstehe die Welt nicht mehr und wolle jetzt
das Abo kündigen. SPD-Chef Beck sagt in der ARD, nun sei der Bogen
aber endgültig überspannt. Linkspartei-Fraktionschef Gysi
weist dagegen darauf hin, dass eine Schwalbe noch keinen Sommer mache.
Gegen Ende des Monats setzt ein Run bundesdeutscher Politiker auf ostpolnische
Sanatorien ein.
JUNI
Die
nach dem Rücktritt von Bundeskanzlerin Merkel notwendig gewordenen
Neuwahlen werden zum Disaster. Die Wahlbeteiligung liegt lediglich bei
3,4 Prozent. FDP-Generalsekretär Niebel sagt in Berlin, selbst
das sei noch ein Erfolg angesichts der Tatsache, dass die Wahlzettel
aus Kostenersparnisgründen dieses Jahr in Nordkorea produziert
wurden, was zu Verwirrungen geführt habe; Die Deutschen seien noch
nicht reif für koreanische Schriftzeichen. Erschwerend sei zudem
hinzugekommen, dass sich die Regierung die Kosten für die Anmietung
der teuren Wahllokale sparen wollte und deswegen die Wahlen kurzerhand
nach Rumänien verlegt habe. Er selber habe sich übrigens beim
Besuch eines Wahllokals in de Karpaten eine Verletzung am Hals zugezogen.
JULI
Papst
Benedikt XVI gibt eine Enzyklika mit dem Titel "aumentiamo fino
a che non danneggi" (übersetzt ungefähr: Wir poppen bis
wir Krätze kriegen) heraus. In den nächsten zwei Jahren wird
sich die Zahl der Mitglieder der Römisch-Katholischen Kirch vervierfachen.
Kritik kommt allerdings vom Orden der Jesuiten - zum einen, weil man
derartige Schriften nicht auf italienisch verfassen soll, und zum anderen,
weil der Orden nicht selber auf diese Idee gekommen ist.
AUGUST
Nach
langwierigen und zähen Verhandlungen wählt der Bundestag Franz
Beckenbauer zum Bundeskanzler. Als erste Regierungsverordnung führt
er das so genannte "Undecimalsystem" ein (nach dem lateinischen
"undecim" - elf). Außerdem tritt eine Kalenderreform
in kraft, nach der das Jahr nur noch elf Monate zu je 33 Tagen hat.
Alle vier Jahre wird eine elftägige Schaltwoche eingeführt.
Ärger gibt es im Bundestag, weil es im Restaurant des Reichstages
nur noch Elf-Minuten-Eier gibt.
SEPTEMBER
Eine
im Auftrag von RTL veröffentlichte "Unterschichtenbibel"
löst heftige Diskussionen aus, verkauft sich aber wie blöd,
vor allem wegen der vielen Bilder. Besonders gut gehen die Folgen "Evas
Paradiesäpfel", "Moses zehn Nummern auf dem Berg Sinai"
und "Sodomie mit Jupp und Marie". Kritik gibt es erneut vom
Jesuitenorden, weil man dort nicht selber auf ... Na ja.
OKTOBER
Das
Generationsproblem in Deutschland ist gelöst, das Leck in der Rentenkasse
gestopft. Grund ist ein Vertrag mit einem Hörgerätehersteller
aus Nordkorea. Leider weisen die nach Deutschland gelieferten Geräte
einen kleinen technischen Fehler auf: Statt Außengeräusche
hören die Benutzer die Daueraufzeichnung der Todesfeier für
Josef Stalin aus dem Jahr 1953. Dadurch steigt in Westdeutschland die
Todesrate von Menschen über 65 Jahren dramatisch an. In Ostdeutschland
kommt es zur erneuten Gründung der FDJ, Mindesteintrittsalter ist
60 Jahre. Gegenpäpstin Angela I. sagt dem "Neuen Deutschland",
jetzt müsse nur noch ein Zacken aus der Krone gebrochen werden,
dann sei die Kugelmachung des Würfels perfekt. Auf die Frage, was
sie damit meine, sagt sie wörtlich: "Das weiß ich auch
nicht, aber es klingt gut."
NOVEMBER
Edmund
Stoiber zieht sich in ein Sanatorium nach Ostpolen zurück. Er ist
dem Wahn verfallen, er sei ein Politiker. Manchmal bekommt er schlimme
Anfälle. Er geht dann in die Staatskanzlei in München, stellt
sich an ein Pult und hält reden. Ein armer, armer Mann.
DEZEMBER
Der
erste Auftritt von Gegenpäpstin Angela I. als Weihnachtsmann im
Veteranenheim für die Verfolgten des Nationalsozialismus Wilhelm
Pieck in Ribnitz-Damgarten geht gründlich in die Hose. Die Päpstin
will der Heiminsassin Käthe Kruse zu ihrem goldenen FDJ-Jubiläum
ein ganz besonderes Geschenk bereiten und mit einem Sack auf dem Rücken
durch den Schornstein fliegen. Unglücklicherweise beginnen die
Ahnungslosen Pfleger just in diesem Moment, den Kamin kräftig zu
befeuern, damit es die Senioren schön warm hätten. Die Hilferufe
der Päpstin verhallen ungehört im Wind. Alle Heiminsassen
tragen Hörgeräte aus Nordkorea.
©
Marko Schlichting 2007
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